gefallen, um zu fliegen

Man sagte mir, meine Gedanken seien zumeist sehr dramatisch und düster, was ich auch bestätigen kann. Dies liegt aber nicht daran, dass ich besonders pessimistisch bin, sondern gegenteilig sogar sehr lebensbejaend bin. Ich lebe gerne und habe auch noch viel in diesem Leben vor.

Beispielweise gab es einen besonderen Schlüsselmoment in meinem Leben, der mich auf einen ganz bestimmten Weg gebracht hat.

Bevor ich zu diesem Teil komme muss gesagt werden, dass es wohl möglich eine der dunkelsten Stunden meines Lebens war. Natürlich gibt es viele, die so etwas von sich behaupten viel erlebt zu haben, um eine gewissen Dramatik zu schaffen, obwohl es immer Schicksale gibt, die noch schlimmer sind, als die, die beschrieben werden. Dies würde ich gerne klar stellen, bevor ich anfange davon zu berichten. Beispielsweise ist eine Totgeburt um einiges schlimmer, als das was mir widerfahren ist, denn ich habe die Chance zu leben und in diesem Leben noch so unendlich viele schöne Momente zu erleben, was ein toter Fötus niemals gehabt hat. Jeder, der im Krieg Angst hat, hat ein schlimmeres Schicksal, als ich, denn er kann vielleicht nie wieder ein sorgenloses Leben führen, oder nicht mehr zu seiner Familie zurückkehren. Es gibt unendlich viele schlimmere Schicksale, jedoch kommt es immer darauf an, niemals aufzugeben.

Dies habe ich gelernt – denn die Welt hält nicht für einen an und vielleicht ist man für die Welt, oder dem unendlich großen Universum nichts, jedoch kann man für eine andere Person die Welt sein.

Schon bin ich der Meinung, dass meine Sorgen in diesen Stunden unwichtiger denn je wirken. Aber soviel kann ich sagen: zu der Zeit fühlte ich mich sehr allein gelassen. Damals sind wir in eine neue Stadt gezogen, mit dem neuen Partner meiner Mutter, der wieder rum drei Töchter hat. Plötzlich war ich an einem neuen Ort, mit einer neuen großen Familie. Jedoch gab es die strikte Trennung „deine Kinder, meine Kinder“ und mein Bruder hat sich komplett zurückgezogen. Mein Vater musste sich wieder fangen und war für mich nicht täglich erreichbar. Selbstverständlich war meine Mutter sehr auf ihren neuen Partner fixiert und ich kam auch in der neuen Schule nicht so wirklich zurecht, da sich zum größten Teil die „Grüppchen“ schon gebildet hatten – selbstverständlich bin ich irgendwann Teil dieser Klasse geworden, jedoch für den Anfang war es nur schwer Anschluss zu finden. Das was mich am härtesten getroffen hatte, war der Tod meiner Großmutter, die eine der wichtigsten Bezugspersonen für mich darstelle.Einige Zeit war schon nach ihrem Tod vergangen und ich hatte so ziemlich mit allen Streit und Stress. Vielleicht kann man sich das nicht vorstellen, doch ich fühlte mich wie zerrieben, an jeder Ecke war ich unwillkommen und empfand nur in meinem Zimmer Frieden. Doch dieser Frieden war Balsam und Gift zugleich, denn er zerfraß mich. Es ist ein Gefühl von Leere, der Kalt in die Seele läuft und sich unaufhaltsam ausbreitet und alles zerfrisst, was lebt. Dieses Gefühl wurde oft von mir in frühen Dichtungen metaphorisch beschrieben. In diesen saß ich nackt und frierend in der Dunkelheit, von einer Bestie gejagt, die meine Wut darstellte. Verletzt und verzweifelt versuchte ich dieser Bestie zu entkommen, da sie nur zu mehr Leid führte. Doch dies gelang mir nicht, denn sie war ein Teil von mir – man kann nicht vor sich selbst fliehen.

Doch ich war mir schon da sicher, dass es Hoffnung gibt – eine Liebe die all das Dunkle mit Licht verscheucht und die Bestie tief in mir auf Ewig wegsperrt. Es klingt vermutlich altmodisch, oder gar schnulzig und ich kann mir gut vorstellen, dass einige nun die Augen verdrehen und aufhören zu lesen, jedoch meine ich es so, wie ich es schreibe: Ich begann mich nach der Liebe meines Lebens umzusehen. Wie ich oben angesprochen habe, kann man für jemanden die Welt sein. Dies wurde zu dem Sinn meines Lebens, die Kraft die mich morgens aufstehen lässt. Denn für mich lebe ich nicht – es würde auch keinen Sinn machen, da doch eh alles vergänglich ist. Wenn ich tot bin, dann wäre ich vergessen, sollte ich für mich gelebt haben. Das Leben ist unfair und die Menschen grausam, kann man es denn bestreiten? Doch ich kann diese Welt und dieses Leben für jemanden verschönern und diese Person glücklich machen – bis zum Ende unseres Lebens. An sich gibt es doch nichts schöneres auf dieser Welt, als ein ehrlich gemeintes und dankendes Lächeln. Das Leuchten in den Augen derer, die sich freuen und das Lachen derer, die einen Moment lang sorglos sind.

Im dunkelsten und kältesten Moment meines Lebens, wo ich doch tatsächlich aufgeben wollte und mich nach dem Sinn des ganzen Leides suchte, fand ich das Licht und den Weg den ich nun bestreite.

Dies führte mich zu folgendem Leitsatz den ich seither lebe:

„Ich bin gefallen, um zu fliegen“

3 Kommentare

  1. Leider passieren nicht immer schöne dinge im leben. Meistens passieren sachen die unser leben komplett verändern..die uns traurig machen und mit denen wir nicht klar kommen.
    Trotzdem sollten wir in so einer zeit auch wenn es nicht leicht ist nach vorne schauen.
    Das alte leben muss man dann hinter sich lassen ..man muss ein neues leben beginnen.
    Aber im herzen leben die schönen momente weiter. All das kann dir niemand nehmen.
    Irgendwann wirst auch du nochmal richtig glücklich werden und keinen weg mehr alleine gehen. Du bist ein toller typ !
    Ich wünsch es dir 🙂

    …hab echt gänsehaut bekommen !

  2. Ich mag deinen Abschlusssatz, da er viel Wahrheit beinhaltet und den vorausgegangenen eigentlich alles in allem zusammenfasst.

    Es gibt genau 2 Wege:

    1. Man fällt hin und bleibt liegen.
    2. Man fällt hin und steht wieder auf.

    Klar wird es mit jedem weiteren Mal Fallen schwieriger wieder aufzustehen, aber es ist auch immer wieder ein schönes Gefühl von den Freunden / Familie aufgefangen zu werden und danach die Welt vielleicht mit anderen Augen zu sehen. Man muss altes hinter sich lassen und nach vorne gucken. Es gibt kein Rezept oder eine Anleitung dafür. Man muss einfach wieder aufstehen und sich umschauen und auch den kleinen Dingen des Lebens Beachtung schenken.
    Vielleicht findet man dann auch die Person, für die man die ganze Welt ist.
    Mein Opa sagt immer: „Auf jeden Topf passt ein Deckel“ und ich glaube da ist was dran.
    Vielleicht findet man sie nicht auf Anhieb, aber irgendwann kommt sie, unerwartet und plötzlich. Auch für dich.

  3. Das Leben ist nicht immer leicht, was warscheinlich jeder schon am eigenen Leib erfahren hat, der Eine mehr und der Andere weniger. Daher finde ich es bemerkenswert, dass du und ich denke auch viele andere nicht aufgeben und Hoffnung sehen, obwohl manche Situationen zunächst unüberwindbar scheinen.
    Ich wünsche dir daher viel Erfolg bei deiner Suche und bin mir sicher, dass du die Richtige bald finden wirst. 🙂

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