Silentium | Fotoserie über die Stille

das sonntägliche Silentium

Während meiner Ausbildung zum gestaltungstechnischen Assistenten (kurz GTA) wurden wir im letzten Lehrjahr damit beauftragt eine kleine Mappe zu einem bestimmten Thema anzufertigen. Dabei stand uns absolut frei, welches Thema, oder Medium wir wählten. Das Thema sollte nur vorab feststehen, sodass wir uns exakt nur mit diesem befassen. Ich wählte das Thema Silentium, was Ruhe, oder auch Stille bedeutet.

An dieses Thema bin ich ziemlich philosophisch heran gegangen, weswegen dieser Post auch in der Kategorie „Gedanken“ super Platz finden würde, doch es ist und bleibt eine Fotoserie, egal wie diese interpretiert wurde. Nachdem ich das Thema ausgewählt habe ging das große Grübeln los, wie ich das umsetzen könnte, doch die Zeit war sehr begrenzt und wir sollten auch bereits erstellte Arbeiten zusammenfassen. Dies war zum Glück mein Stichwort und ich habe alle meine Fotos zusammengenommen und einige in einen Zusammenhang gebracht, den es vorher einfach nicht gab: unter dem Namen der Stille, des Silentium

Das innere Silentium

Das innere Silentium - auf diesem s/w Foto sieht man eine junge Frau, wie sie langsam Rauch aus ihrem Mund aufsteigen lässt.Es gibt Momente im Leben in denen sind wir einfach sorglos. Man denkt nicht viel über den Alltag nach, oder die Probleme dieser Welt. Es ist der Moment, in dem wir durchatmen. Alles um uns herum zieht weiter, doch wir sind in diesem Moment in absoluter Ruhe. Uns kümmert nichts und so ist alles zeitlos, ruhig – auch wenn alles weitergeht. Ich wählte dieses Motiv, weil die Frau auf diesem Foto entspannt raucht. Sie bläst den Rauch nicht sofort weg, wie es zumeist geschieht und erfreut sich an den langsam nach oben steigenden Formen, die der Rauch bildet. Die bunte Piercingkugel zeigt das Lebensfrohe in diesem Moment. Die Mundform und die Art und Weise, wie sie diesen öffnet ist keineswegs gedrungen und zeigt absolute Entspannung. Deswegen findet sich diese Fotografie sich auch in der Fotoserie Silentium wieder: das innere Silentium – eine Ruhe der Gedanken und Gefühle.

Das Silentium der gegenwärtigen Vergangenheit

Silentium der gegenwärtigen Vergangenheit - ein Kohleförderturm aus KamenDas Silentium der gegenwärtigen Vergangenheit. Dieser Titel lässt so viel Interpretationsmöglichkeit, wie das gesamte Thema, wenn man sich erst einmal genauer damit befasst hat. An diesem Kohleförderturm wurde früher gearbeitet, mit ihm gearbeitet, er hat gearbeitet. Viel hat er zu Tage gebracht, was tief unter der Erde lag und viele Menschen haben Erinnerungen an ihn. Diese sind in manchen Köpfen und Herzen noch gegenwärtig sein, doch trotz Allem gehören diese Zeiten der Vergangenheit hat. In Wahrheit, in der Gegenwahrt ruht hier alles. Hier arbeitet nichts mehr, der Kohleförderturm steht still. Die Stille legt sich hier nieder, wie der Nebel um diesen Turm.

Das Silentium des Ortes

Das Silentium des Ortes: dieses Foto zeigt einen dunklen Tunnel der so lieblos aussieht, wie ein Tunnel nur aussehen kann.Das Silentium des Ortes. Auch ein Ort kann eine gewisse Stille vermitteln. Sogar eine unheimliche Stille. Manchmal stockt uns der Atem, aber nicht unbedingt mit positiven Gefühlen. Mich persönlich überfällt Unbehagen, wenn ich diesen Tunnel durchschreite. Hier ist alles still und auch nichts in der Welt würde mich lange dort halten, um diesen Ort Leben einzuhauchen. Sicherlich ist Ihnen das Sprichwort „Licht am Ende des Tunnels“ bekannt. Was aber, wenn am Ende des Tunnels nur Finsternis wartet? Ich wählte diese Fotografie, da hier eine unheimliche Stille, sowie Dunkelheit sich ausbreitet und einem einen kalten Schauer über den Rücken gleiten lässt. Denn hier hört man sicherlich nichts anderes, als das eigene hämmernde Herzklopfen.

Das atemraubende Silentium

Das atemraubende Silentium: dieses Bild zeigt eine junge Frau die im Winter auf eine glitzernde Wasseroberfläche eines Flusses blicktVon den vorherigen Bildern wissen wir, dass es ein inneres Silentium, sowie ein Silentium eines Ortes geben kann. Nun, dieses Bild ist etwas von beidem. Die Kombination eines schönen Momentes, der relativ vergänglich sein kann. Aufgrund dieser Vergänglichkeit erfreuen wir uns trotzdem über die Existenz dessen und es verschlägt uns den Atem. Es ist der Moment, wo die Sonne auf die Wasseroberfläche scheint und alles glitzert. Die Luft ist rein, der Klang des Wassers beruhigend und doch ist alles hell und einfach schön. Dieser Moment berührt unser tiefstes Inneres und lässt uns einen Moment verharren. Es ist still in uns. Es hat uns den Atem verschlagen.

Das erzwungene Silentium

Das erzwungene Silentium - auf dieser Fotografie sieht man eine ziemlich ramponierte Tür die mit einem massiven Schloss verriegelt wurde.Klopf klopf, wer ist denn da? Hinter dieser Tür bestimmt niemand mehr. Das erzwungene Silentium sorgt dafür. Türen sind dazu da, um geöffnet zu werden. Vor ihnen warten Freunde, Familie, erwünschte, oder auch unerwünschte Gäste. Wir haben gerne selbst die Entscheidung, wer rein darf und wer nicht. Doch nicht immer wird diese Entscheidung, oder gar unser Eigentum respektiert. Also muss hier für Ruhe geschaffen werden. Zu einem Ruhe hinter der Tür, sodass was sie verschließt unberührt bleibt und zu anderem unser eigener Geist, der sonst in Sorge sein muss, dass irgendwer, oder irgendwas hinter unsere Tür gelangt, mit der wir doch selbst entscheiden wollten, wer rein darf und wer draußen bleiben soll.

Das bewegungslose Silentium

Das bewegungslose Silentium zeigt Eiskristalle die bei -10 Grad aus dem Boden wuchsen.Mal angenommen wir schauen in die Einkaufsstraße einer Stadt. Ein wildes Treiben: ein ewiges Hin und Her, Blinken und Gedrängel. Die Massen bewegen sich und selbst wenn wir den Ton abschalten könnten, wäre es unruhig. Wasser fließt und ist in Bewegung. Demnach kann von Ruhe hier keine Rede sein. Doch nun wird es kälter. Um genau zu sein ist es auf diesem Foto -10 Grad kalt. In der Nähe eines Baches in Tschechien habe ich diese Eiskristalle entdeckt, die aus dem Boden gewachsen sind. Hier ist die Bewegung eingefroren und verschafft Ruhe.

Das gewünschte Silentium

Das gewünschte Silentium zeigt zwei Fliegen bei dem Liebesakt.Muss ich dazu noch wirklich was sagen? Etwas Privatsphäre bitte! Dachten sich bestimmt die beiden Fliegen, als ich die Kamera auf sie richtete. Es ist ein intimer Moment und eigentlich möchte man auch nicht gestört werden. Selbstverständlich ist man nicht immer leise und es gibt Bewegungen, die man als Unruhe werten kann, doch man wünscht sich eine Ruhe, die von anderen abhängig ist. So kann man sich auch das Silentium wünschen.

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