Die Jagd nach dem Mond

Ein 93% sichtbarer Mond im rechten Bildbereich. Mondkrater sind deutlich zu erkennen.

Vor ungefähr einer Woche war Vollmond, als ich unter dem Dachfenster meines Zimmers huschte und er mir frech ins Gesicht schien. An jenem Abend beschloss ich, dass ich den Mond fotografieren wolle und mir in dieser Mondphase noch vollformatig abzulichten. In den nächsten Zeilen ist zu lesen, wie meine Jagd auf den Mond verlief und welche Höhen und Tiefen ich hierbei erlebte.

Mondfotografie – aber wie?

Der Mond im linken Bildbereich, welcher sehr klein abgebildet ist. Als ich den Mond so hoch oben am Himmel sah, wollte ich es einfach wissen: wie gut kann ich ihn eigentlich mit den aktuellen Mitteln abbilden?

ein Blick in den Kamerarucksack

Das einzige Objektiv, das hierfür einigermaßen geeignet wäre, wäre eins mit einer möglichst hohen Brennweite. Den Crumpler-Foto-Rucksack also fix aufgemacht und das 28-200mm rausgekramt und vor die Kamera geschraubt. Da ich erst einmal schauen wollte, ob es irgendwie möglich ist den Mond ohne Stativ zu fotografieren, hatte ich das Objektiv auf dem Dachfensterrahmen angelehnt und geknipst. Das Ergebnis war ein sehr klein abgebildeter Mond, auf dem jedoch die Krater schon gut sichtbar gewesen sind. Gar nicht mal so schlecht für den Anfang. Die Faszination Mond packte mich und ich beschloss mich in den nächsten Tagen um geeignetere Ausrüstung zu kümmern.

Auf der Suche nach mehr Brennweite

Möglichkeiten gibt es viele. Wenn man nicht viel Geld ausgeben möchte wäre ein Spiegeltele eine Option, da es durch eine clevere Kombination aus Linsen und Spiegeln zu einer gewaltigen Brennweite verfügt und trotz allem sehr handlich ist. Doch haben diese Spiegelteleobjektive ein paar Nachteile, die mich haben zweifeln lassen:zu einem haben diese eine fixe Blende, sodass hier keine Schärfentiefenregelung möglich ist und die Bildergebnisse etwas „flau“ sein sollen. Leider habe ich damit noch keine eigene Erfahrungen machen können, jedoch waren schon diese beiden Eigenschaften ein Nachteil, über den ich nicht so leichtfertig hinwegsehen konnte. Außerdem ist das Bokeh (der Unschärfekreis) sehr speziell, da durch den Spiegel in der Mitte des Objektivs eher ein Unschärfering entsteht, statt einem schönen vollkommenen Zerstreuungskreis.

Die Wundertüte (Linsenobjektiv)

Für diesen Zweck hatte ich leider das Spiegeltele für mich abgeschrieben (aber nur für diesen!) und suchte ein wenig weiter. Bei der Suche stieß ich auf ein vergleichsweise günstiges Linsen Teleobjektiv mit einer Brennweite von 500mm.Später erfuhr ich, dass es für ein Objektiv dieser Art auch einen eigenen Namen gab: Wundertüte. Hierbei handelt es sich um eine Festbrennweite und deswegen verschieben sich im Inneren des Objektivs keine Linsen, von daher kommt es mit nur vier Linsen aus. Eine besondere Eigenheit der Wundertüte ist, dass sie über einen T2 Teleskopanschluss verfügt, weswegen dies für keine Kamera direkt zugeschnitten ist und ein Adapter noch zwischen Kamera und Objektiv geschraubt werden muss. Da die Wundertüte ein kamerafremdes Objektiv ist, gibt es auch keine Möglichkeit, dass die Kamera mit dem Objektiv kommuniziert und man kann sich von dem Autofokus verabschieden. Außerdem muss man an der Kamera einstellen, dass man „ohne Objektiv“ auslösen möchte, da die Kamera durch die fehlenden Anschlüsse nicht erkennt, welches (oder überhaupt ein) Objektiv gerade drauf geschraubt ist. Doch der große Vorteil von einem Linsenobjektiv ist die bestmögliche Abbildungsqualität, nach der ich einfach gesucht habe.

Die Wundertüte 500mm Teleobjektiv Linsenobjektiv

einfache Verdoppelung der Brennweite

Der Telekonverter 2x von Walimex mit T2 Anschluss Die Brennweite von 500mm durch die Wundertüte ist schon ordentlich. Doch das Internet wäre nicht das Internet, wenn es mir nicht direkt einen weiteren Kaufvorschlag anbieten würde. Passend zu der Wundertüte gab es einen Telekonverter 2x mit T2 Anschluss. Dadurch verdoppelt sich die Brennweite auf sagenhafte 1000mm. Ich konnte mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht vorstellen, wieviel das eigentlich ausmachen würde. Doch dazu später mehr.

Die Jagd nach einem Mondfoto beginnt

Dienstag: Vollmond

Die Bestellungen erreichten mich vollständig und eine Woge Euphorie strömte in mir auf. Ich drehte mich um und sah durch das Bürofenster gen Himmel und erblickte…grau mit sehr viel dunkelgrau. Verdammt.

Mittwoch: 93% sichtbarer Mond

An diesem Tag sollte es passieren. Die teilweise dicken Wolken am Himmel sollten mich nicht entmutigen. Nach der Wettervorhersage sollte es in der Nacht klar werden. Darauf habe ich mich einfach berufen – so und nicht anders soll es sein! Nach der Arbeit ging ich Heim und wollte alles vorbereiten. Wichtige Fragen, die ich mir stellte waren unter anderem: wo werde ich stehen? Wann werde ich dort stehen? Wo wird der Mond zu dieser Zeit sein? Sachen, die es herauszufinden galt. Also überlegte ich mir einen Ort, an dem man einen guten Überblick hat, ohne dass irgendwelche Straßenlaternen Streulicht in das Objektiv scheinen.

Den Mondverlauf feststellen

Leider hatte ich verpasst mir noch eine passende Gegenlichtblende zu besorgen, oder zu basteln (muss ja nicht immer das teure Zeug vom Hersteller sein). Von einem Arbeitskollegen hörte ich an jenem Tag von einer Chips-Dose die man zu einer Streulichtblende umbasteln könnte – eigentlich gar nicht mal so schlecht. Werde ich vielleicht mal in Betracht ziehen. Ich entschied mich für einen dunklen Parkplatz an der Panoramastraße in Stuttgart, von welchem man aus auch ein wunderbaren Überblick über Stuttgart hatte, der mich an diesem Abend aber nicht interessierte, da ich viel „größeres“ vor hatte. Nur wo wird der Mond stehen? Hier half mir eine Webseite ungemein weiter, da man über eine Karte seine Position angeben konnte und durch eine Zeitleistensteuerung den Stand des Mondes einsehen konnte.

Ich kann diese Webseite für diese Info echt empfehlen: mondverlauf.de

Disziplin: Warten

Gegen 22 Uhr war es dann so weit: ich packte meinen Kamerarucksack, bereitete die Ausrüstung vor und zog los zu meinem Bestimmungsort, an dem ich den Mond fotografieren wollte. Oben angekommen zogen noch dicke Wolken über meinen Kopf hinweg und ich schaute gen Südosten, wo der Mond nach der Webseite auftauchen sollte.

23 Uhr

Gegen 23 Uhr waren die meisten Wolken hinter und über mir weggezogen und ich wartete, da es jeden Augenblick so weit sein muss, dass der Mond auftaucht. Ich hatte mich gefragt, ob ich den Mondstand aus der Webseite noch richtig im Kopf hatte und bin den Panoramaweg hoch- und wieder abgelaufen, da der Mond da ja irgendwo zu sehen sein muss.

23:30 Uhr

Das wird heut nix, dachte ich mir. Irgendwie scheine ich heute kein Glück zu haben und weitere Wolken ziehen hinter mir auf. Ganz großes Tennis. Dabei habe ich schon groß angekündigt, dass heute der Tag wäre, an dem ich den Mond fotografieren werde. Von dem ganzen Stehen wollte ich mich noch ein wenig erholen und setzte mich auf eine nahe gelegene Treppe und wartete noch ein paar Minuten. Ich wollte einfach nicht aufgeben.

00:00 Uhr

Ich gab um Mitternacht auf. Wie konnte ich auch so blöd sein zu glauben, dass der Mond sich so früh zeigen würde? Ich muss es einfach an einem Wochenende versuchen, wenn der nächste Vollmond da ist. Bis dahin wartet die Ausrüstung auf ihren Einsatz. Verärgert und enttäuscht stand ich von dem Treppenabsatz auf, auf dem ich saß und bemerkte etwas im Augenwinkel. Ich wand meinen Blick von der Stelle ab, in der ich den Mond vermutete und sah, dass dieser gerade eben im Begriff war über dem Horizont zu steigen. Ein freches Grinsen zeichnete sich auf meinem Gesicht ab und war ein wenig nervös, da ich zeitgleich eine dicke Wolke auf den Mond zufliegen sah.

Die Kamera ist auf den Mond gerichtet Von der Treppe aus hetzte ich zurück zu dem Parkplatz und baute akribisch meine Ausrüstung auf. Telekonverter wurde wie im Flug an die Wundertüte geschraubt, Adapter dran und das wuchtige Teil ans Bajonett geschraubt. Dann wurde noch die Halterung für das Stativ an das Objektiv befestigt und ans Stativ geklemmt. Ein leises Geräusch durchfuhr die Nacht, als ich die Kamera einschaltete. Ich suchte durch den Sucher den Mond und fand ihn. Erschreckend fand ich nur die Anfälligkeit für Verwackelung, da ich auf meinem Stativ leider einen Kugelkopf hatte und den Fernauslöser vergessen hatte mitzubestellen – da ich der Annahme war, der Zeitauslöser würde es auch tun. Falsch gedacht. Doch das sollte mich nicht hindern. Dann muss ich halt noch ruhiger fotografieren, als sonst. Die Kamera auf den Horizont gerichtet und den Mond im Sucher, das war der Moment auf den ich heute so sehr gehofft hatte. Ich stellte scharf und betätigte den Zeitauslöser. 10 Sekunden hatte die Kamera, um sich zu „beruhigen“, da durch die enorme Brennweite das Motiv sich stark bewegte. Außerdem musste ich erkennen, wie der Mond sich in der Zeit auch noch aus dem Bild schleichen wollte. Man konnte deutlich beobachten, wie der Mond wanderte.

Bei jedem Bild richtete ich die Kamera neu aus und versuchte zu beachten, wohin der Mond in der Zeit wandern würde, sodass er sich genau in den Ausschnitt bewegte, den ich 10 Sekunden später haben möchte. Gar nicht so einfach!

Das Ergebnis der Mondfotografie mit Wundertüte

Ein 93% sichtbarer Mond im rechten Bildbereich. Mondkrater sind deutlich zu erkennen.

Mit dem Ergebnis bin ich vorerst mehr als zufrieden. Der Mond hat sich leider ein wenig bewegt, weswegen es noch nicht die Schärfe erreicht hat, die ich mir gewünscht habe, doch man kann nicht alles haben. Für das erste Mal ist es ein voller Erfolg geworden!

Kurzer Schock nach den Aufnahmen

Gerade habe ich eine angemessene Anzahl an Versuchen verschossen und konnte es kaum erwarten, diese am Rechner zu betrachten und begann meine Ausrüstung abzubauen. Als ich das Objektiv von der Kamera lösen wollte ist der Adapter stecken geblieben… und ließ sich kein Stück bewegen. Mir wurde ganz heiß und schwindelig vor Angst, das könnte mich jetzt alles die Kamera gekostet haben und sah mich schon vor geistigem Auge voller Wehmut eine neue im Laden bestellen. Ich versuchte das Objektiv noch einmal dran zu schrauben, um so vielleicht durch den besseren Griff am Objektiv den Adapter lösen zu können. Anschließend noch einmal ohne. Es bewegte sich kein Stück. Was blieb mir also noch übrig? Resignierend überlegte ich, wie ich zumindest die Kamera vor Staub noch schützen konnte, da sich das Kamerainnere wie aus einer klaffenden Wunde präsentierte, so wie es mir gerade erging.

Plötzlich kam der Moment, als sich der Adapter doch lösen ließ und ich beschloss diesen durch einen neuen zu ersetzen und dieser wird nie wieder das Bajonett meiner Kamera berühren. Erleichtert packte ich den Rest zusammen, exportierte in der Wohnung die Fotos und ging mit einem erleichterten Grinsen zu Bett.

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