Gautschen 2013 FHBK

Gautschen 2013 am FHBK. Hier sieht man, wie die Schwämme über meinem Kopf ausgepresst werden und ich ordentlich nass werde.

12.07.2013 am FHBK in Dortmund – die Tradition verlangt, dass die Prüflinge gegautscht werden müssen, bevor sie mit der Ausbildung fertig sind. Die Tradition reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück und ist ursprünglich ein Buchdruckerbrauch, welcher heutzutage auch bei Mediengestaltern durchgeführt wird.

Das Gautschen

Das Gautschen ist eigentlich das erste Auspressen des Papiers, nachdem es aus der Bütte geschöpft wurde. Zum Glück der Gesellen werden diese nicht gequetscht, aber mit Wasser hat das Gautschen trotzdem zutun.

Packt an, Gesellen!

Gautschen 2013 am FHBK. Hier sieht man, wie die Schwämme über meinem Kopf ausgepresst werden und ich ordentlich nass werde. ruft der Gautschmeister und ihm stehen mehrere Packer, sowie Schwammhalter zur Seite. Nun werden die einzelnen Namen aufgerufen und man muss auf einem Stuhl vor der „Bütt“ Platz nehmen – selbstverständlich auf einem nassen Schwamm. Nun wird man mit Wasser übergossen und mit Schwämmen gründlich reingewaschen. Anschließend heben die Packer den Gautschling in ein Fass, welches randvoll mit Wasser gefüllt ist, sodass man auch ordentlich nass wird. Hierbei sollen schlechte Gewohnheiten, sowie die Lehrzeit abgewaschen werden. Zurecht trägt diese Zeremonie den Namen „Wassertaufe“.

Kopfüber werden die Gautschlinge in die Bütt getaucht. Wer etwas mehr Pech hatte, der wurde auch kopfüber ins Wasser getaucht. Die Lehrzeit war ja schließlich lang und die Sünden manchmal schlimmer. Je nachdem was der Gautschmeister den Packern und Schwammhaltern zurief wurden die Gautschlinge dementsprechend behandelt. Wer viele Fehlzeiten hatte, musste teilweise eine extra Behandlung durchmachen. Doch hat man es geschafft, wurde einem gratuliert und es gab ein kühles Bier, sodass die Gautschfeier beginnen kann. Das war mit Abstand die ungewöhnlichste Abschlusstradition, die ich selbst erfahren durfte, die jedoch umso mehr Spaß gemacht hat. Da ich noch ein paar Freunde im ersten, sowie im zweiten Lehrjahr habe, habe ich gute Gründe um auch in den kommenden Jahren dem Gautschen beizuwohnen. Wobei ich da nur Zuschauer sein werde, um die neuen Gesellen begrüßen zu können.

Gautschbrief

Feierlich wurde nach der Zeremonie der Gautschbrief verteilt, welcher einen als „Schwarzkünstler“ bekundet. Nur wenige wissen, dass mit „Jünger der Schwarzen Kunst“ nicht etwa jene aus Krabat gemeint sind, sondern vielmehr Drucker, sowie Schriftsetzer die dafür gesorgt haben, dass die Druckerschwärze aufs Papier gelangt. Eine deutlicherer Begriff hierfür ist „Jünger Gutenbergs“, die den Bereich des Buchdruck eindeutiger bezeichnet.

Quelle Fotografien: Wilmshöver @ fhbk.de

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